Wahlprogramm zur Kommunalwahl am 14.09.2025
0. Einleitung
Liebe Bürgerinnen und Bürger,
wir, Die Linke in Oer-Erkenschwick, möchten euch unser
Wahlprogramm für die Kommunalwahl am 14. September 2025
vorstellen.
Die Linke steht für ein solidarisches Miteinander, sie ist das
Sprachrohr der Menschen, denen sonst niemand zuhört, wenn es um
soziale Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft geht. Wir stehen für den
Frieden und ein friedvolles Zusammenleben, mit Respekt und
Achtung füreinander, für Demokratie und Mitbestimmung.
Daher gibt es viel zu tun, damit dies so bleibt und wieder so wird,
denn unsere Kommune ist - wie viele andere im Ruhrgebiet - seit
Jahrzehnten unterfinanziert.
Auf Grund Steuererleichterungen für Reiche sowie der Übertragung
von Aufgaben ohne entsprechende Finanzierung ist Oer-
Erkenschwick in eine Schuldenfalle geraten, aus der es aus eigener
Kraft nicht mehr herauskommen kann. Weder der Bürgermeister
noch die Mehrheitsparteien im Rat, arbeiten an einer Lösung. Hier
fehlen Ideen, Visionen und Mut.
Die Stadt ist somit gezwungen, kreative Wege zu gehen um
Grundversorgungen zumindest teilweise zu sichern. Ein Beispiel dafür
ist hier die Finanzierung unseres neuen Freibades. Die Zuschüsse von
Bund und Land reichen bei weitem nicht zur Finanzierung aus.
Deswegen müssen die Einnahmen aus dem Maritimo für das
kommende Freibad herangezogen werden. Nur aus diesem Grunde
hat sich die Linke seit 2009 für die Rekommunalisierung des
Bäderbetriebs und in den letzten Jahren für den Ausbau des
Maritimos engagiert. Der Stimmenfang der AfD mit dem Argument,
dort würde zu viel investiert, lässt außer Acht, dass mit einer Sauna
im Stile einer Blechwanne kein Geld zu verdienen ist. Und dieses Geld brauchen wir als Stadt.
1. Kommunaler Wohnungsbau
Bedarfsgerechter und bezahlbarer Wohnraum wird dringend
benötigt. Die Linke wird sich für die Gründung einer städtischen
Wohnungsbaugesellschaft/ Genossenschaft einsetzen. Gewinne
werden dann in die weitere Versorgung mit Wohnraum investiert
(Refinanzierung). Wir wollen nicht, dass sich mit dem Grundbedürfnis
des Wohnens andere die Taschen vollstopfen.
Schauen wir dazu ins Stadtzentrum, die Klemm- Ruine ist längst ein
Spekulationsobjekt und die Gemeinde ist gezwungen, dem Treiben
dubioser Immobilienfirmen zuzuschauen und auf die Einhaltung derer
haltlosen Versprechen zu hoffen.
Wir werden uns für die Enteignung der jetzigen Besitzer einsetzen,
damit im Stadtzentrum attraktive Sozialwohnungen entstehen, die
wir dringend benötigen. Wohnungen z.B. für Senioren, junge
Familien, die durch die zentrale Lage ohne Aufwand an dem sozialen
Leben unserer Stadt teilnehmen könnten. Wir wenden uns gegen die
Versuche, unsere Stadt für Investoren „interessant“ zu machen,
indem Menschen mit geringem Einkommen künftig keine
angemessenen Wohnräume mehr angeboten werden. Der
Mietspiegel würde steigen und für windige Investoren, die mit
Vermietung Geld machen wollen, wäre es quasi ein Eldorado der
Gewinne.
Eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft trägt somit zur sozialen
Durchmischung einer Kommune bei.
2. Zentrum für medizinische Versorgung
Wir alle bekommen mit, was von der Bundesregierung und der
Landesregierung geplant und betrieben wird, um die medizinische
Versorgung entgegen jeglicher Vernunft zu zentralisieren. Die Wege
zu medizinischen Einrichtungen werden länger, falls überhaupt die
Chance auf einen Termin besteht.
Derzeit gibt es für Oer- Erkenschwick zum Beispiel nur einen
Kinderarzt.
In einem medizinischen Zentrum (welches auf der Zechenbrache
errichtet werden könnte), sollen verschieden Fachärzte tätig werden.
Die Ärzte sollen/ können bei der Stadt als Gesellschafter des
medizinischen Zentrums angestellt werden. Mit der Gesundheit der
Menschen soll und darf kein Gewinn erwirtschaftet werden. Es ist ein
Allgemeinwohl.
Somit öffnen wir den Arbeitsmarkt für junge Ärzte, die gegeben falls
keine Chance auf die Eröffnung einer eigenen Praxis haben. Im
Vorfeld kann auch überlegt werden, zukünftige Ärzte in der
Ausbildung zu fördern und sie somit an unsere Stadt zu binden. Es
gibt unsagbar viele Möglichkeiten, wie die Misere der medizinischen
Versorgung beseitigt oder verringert werden kann.
3. Spielplätze
Es müssen dringend neue Spielplätze entstehen.
Die vorhandenen reichen nicht aus. Die Spielplätze bedürfen einer besseren Pflege.
Dies ist nicht der Platz, wo Müll und Dreck sein dürfen.
Zur Vermeidung muss das Ordnungsamt regelmäßige Kontrollen durchführen.
Mit dem Auto vorbeifahren reicht eben nicht aus. Das vorhandene städtische
Spielplatzkonzept muss jährlich unter Mitarbeit des Kinder- und Jugendparlaments
fortgeschrieben werden.
Die Bürger der Stadt müssen zu diesem Thema angehört werden.
4. Verkehrsplanung
Die Bürger der Stadt haben sich in den Jahren 2022 bis 2024 am innerstädtischen
Mobilitätskonzept durch Arbeitsgruppen beteiligt. Jede dieser fünf Arbeitsgruppen
hat eine eigene Prioritätenliste entwickelt, die leider dann in der Versenkung verschwunden
sind. Herausgekommen ist eine verwaltungsseitig erstellte Liste, die wohl die förderbaren
Maßnahmen darstellt, aber weit weg ist von einem vernünftigen Konzept, den innerstädtischen Verkehr umweltfreundlicher und sozialverträglicher zu gestalten.
Nicht einmal eine endgültige Besprechung mit den Akteuren der Arbeitsgruppen hat es gegeben
. Die Linke hat diese Abschlussbesprechung mit Zustimmung der anderen Parteien eingefordert. Die Linke macht sich
die Ergebnisse der AGs zu Eigen. Das betrifft z.B.:
- die Neuordnung des Kfz-Verkehrs rund um den Berliner Platz, Parkraumbewirtschaftung
- die Aufwertung des ÖPNVs durch neue und dem Recklinghäuser Schienenverkehr angepasste
Taktung und Schaffung überdachter Stellplätze für Fahrräder und deren vermehrte Mitnahmemöglichkeiten, - Straßen- Rad- Fußwege müssen so angelegt werden, dass es zu keiner gegenseitigen Behinderung
und Gefährdung kommt, die Ausweisung von Fahrradstraßen mit den Bürgern und dem ADFC besprechen, - die flächendeckende Prüfung der Geschwindigkeitsgrenzen.
- Die Straßen umgehend reparieren und nicht ewig warten, bis eine umfangreiche Sanierung notwendig ist.
- Die Anbindung an die Hamm-Osterfelder-Bahn durch die Reaktivierung des Dattelner Bahnhofs
- Die Ampeln mit Sinn und Verstand betreiben. Müssen Ampeln in der Nacht wirklich sein?
Anhalten, warten, anfahren, all das verursacht Lärm und unnötige Abgase.
Die Stadt muss mit dem Kreis zusammenarbeiten und die Forderungen durchsetzen. Die kreiseigene
Verkehrsgesellschaft rückversichert sich bei neuen Planungen immer in den Räten.
Wir werden uns für den schnellen Ausbau der alten Zechenbahntrasse als Fahrradstrecke
mit Anbindung an die König-Ludwig-Trasse einsetzen. Auf dem ehemaligen Zechengelände
soll ein attraktiver Pausenstandort mit entsprechender Gastronomie entstehen und den
weiteren Weg in die Haard weisen.
5. Industrieflächen
An der Ewaldstraße ist eine riesige Industriefläche zu sehen. Die Stadt hat uns so
viele abenteuerliche Projekte vorgestellt. Auch die Gewächshäuser sind zerplatzt
wie Seifenblasen. Wir brauchen dort qualifizierte Arbeitsplätze, denn davon profitieren
alle in der Stadt. Tagträumen nachzulaufen, bringt keinem etwas.
Diese Flächen müssen effektiv genutzt und vermarktet werden. Keine Grünflächen opfern,
um eine Halle zur Lagerung von irgendwelchen Artikeln zu ermöglichen. Dies bringt keinen
Nutzen, keine Einnahmen, keine Jobs, nur Versiegelung von Flächen. Die vorhandenen
Flächen sinnvoll nutzen. Auch interessanten Startup Unternehmen zuhören und unkompliziert
prüfen, was für Möglichkeiten es gibt. Ein mögliches medizinisches Zentrum mit Ärzten,
die in Oer-Erkenschwick und näheren Umgebung unterrepräsentiert sind, könnte dort
entstehen. Das Letzte, was wir dort brauchen, sind Luxuswohnungen.
Der alte Förderturm sollte erhalten werden. Dieser ist ein Zeugnis des Bergbaues und des
Strukturwandels. Hier gibt es Ideen und das Engagement von Bürgern der Stadt. Die Wünsche
und Bedürfnisse der Menschen hier in der Stadt müssen ernst genommen werden
6. Stadtentwicklung
Wir werden die Kommune gegen die wirtschaftlichen, ökologischen
und gesundheitlichen Folgen des Klimawandels stärken. Dies soll
unter anderem durch die Widerbelebung des – auf die Initiative
der Partei Die Linke Oer-Erkenschwick hin - gefassten Beschluss des
Rates, alle Entscheidungen auf ihre Klimawirkung zu prüfen, geschehen.
Neue Bauprojekte sollen den neuesten ökologischen Standards folgen.
Dies gilt auch für die Vermeidung des Flächenfraßes durch das Bauen in die Höhe.
7. Freizeit unserer Jugend
Haben junge Menschen hier in der Stadt einen zentralen Anlaufpunkt,
wo ungezwungene Treffen möglich sind? Wo die Stadt auch diverse
Beratungsmöglichkeiten anbieten kann? Und auch hier müssen wir
wieder NEIN sagen. Angebote für Jugendliche beschränken sich auf
die stundenweise Öffnung sogenannter teiloffener Türen, die zumeist
an den Sportverein gekoppelt sind.
Es gibt keine zentrale Begegnungsstätte. Dies muss aber sein, denn
auch die jungen Bürger der Stadt haben ein Anrecht auf Freizeit.
Wir werden ihnen zuhören und mit ihnen reden, im Gegensatz zu anderen Parteien.
Wir setzen uns für ein innerstädtisches Jugendzentrum ein, indem junge
Menschen die Gelegenheit erhalten, ihre gemeinsamen Ideen in die Tat
umzusetzen und autonom ihre Freizeit zu gestalten.
8. Pflege der Stadt und der Grünanlagen
Die Grünanlagen sind ungepflegt und voller Müll. Die Stadt und der
Bürgermeister feiern sich beim Besen-Tag. Ist es manchem dort
nicht peinlich, den Bürgern die Reinigung zu übergeben, weil es
sonst kaum einer macht? Wenn ich nur eine Hand voll Mitarbeiter
habe, wundert es uns nicht. Diese können es nicht schaffen.
Sinnvolle Bepflanzung statt Gestrüpp, defekte Gehwege umgehend
ausbessern, fehlende Mülleimer ersetzen. Hundekotbeutel in
ausreichendem Maße öffentlich zur Verfügung stellen.
Den Waldfriedhof wieder angemessen pflegen und die Wege sicher machen.
Wir möchten, dass unsere Stadt auch äußerlich einen gepflegten
und sauberen Eindruck bei uns Bürgern und unseren Besuchern hinterlässt.
In einem schönen Haus fühlen sich alle wohl!
10. Bessere Unterstützung für Hilfsbedürftige und Menschen, die mit Armut zu kämpfen haben
Die Armuts- bzw. Sozialberichte des Paritätischen Wohlfahrtsverband und
des Kreises sagen aus, dass die Armut bei Menschen und Kindern
immer weiter angestiegen sind und das ist nicht nur in Recklinghausen
der Fall, sondern auch hier bei uns in Oer- Erkenschwick.
Wir werden uns dafür einsetzen, dass diesen Menschen, die in Armut
leben, geholfen wird. Teilweise dadurch, dass man sie gezielt in den
Ämtern aufklärt, wo sie entsprechende Mittel beantragen können
und welche Möglichkeiten der Begleitung es gibt.
11. Integration
Kriege um Energieressourcen, unmenschliche Lebensbedingungen
in Armut und ökologische Krisen haben die Flüchtlingsströme in der
Welt größer werden lassen. Der Zustrom der Hilfebedürftigen geht
auch an unserer Stadt nicht vorbei.
Viele dieser Menschen möchten gern hierbleiben und wir sollten
(auch aus eigenem Interesse) das ermöglichen. Die Aufgabe des
neuen Rates und der Verwaltung muss sein, ein Integrationskonzept
für Geflüchtete in unserer Stadtgesellschaft zu erstellen,
um Ghettoisierung und Ausgrenzung auf allen Ebenen entgegenzuwirken.
Dabei müssen beide Seiten für die kritische Hinterfragung von Werten
und Normen offen sein.
Wir wollen die Fortsetzung der Gespräche mit der Firmenleitung
von Westfleisch, um die Integration von Arbeitsmigranten in
OerErkenschwick zu erleichtern.
Diese und alle anderen Bewohner und Bewohnerinnen unserer Stadt
mit Migrationshintergrund sollen auch die Gelegenheit haben,
an der politischen Willensbildung teilzunehmen.
Deswegen werden wir uns für die Bildung eines Integrationsrates
einsetzen, der die Entscheidungen des Rates und der Verwaltung begleitet.
Ziel ist es, diese Menschen sofort in den Arbeitsmarkt zu integrieren, denn
dort findet Integration statt.
12. Angebote gegen häusliche Gewalt
Menschen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, muss sofort und ohne
Bürokratie geholfen werden. Es ist notwendig, dass die Stadt ein solches
Angebot vorhält. Dieses Angebot muss kostenfrei für Hilfesuchende sein.
Denkbar und wünschenswert ist hier auch die Vernetzung vorhandener
Hilfsangebote im Kreis. Wir werden uns dafür einsetzen, dass ein solches
Angebot erstellt und in die Realität umgesetzt wird.
13. Keine Zusammenarbeit mit der AfD und allen anderen rechtsextremen Gruppen
Mit uns wird es nie eine Zusammenarbeit mit der AfD und anderen rechten Parteien und
Gruppierungen geben.
Auch werden wir nichts unterlassen, die Menschen aufzuklären, wie die AfD im Umgang
mit den Menschen vorgeht. Sie greifen die Ängste der Menschen auf und machen sich
diese zum Nutzen, um damit Anhänger und Wähler zu gewinnen. Ihnen geht es aber darum,
den Reichen zuzuarbeiten, um sie noch Reicher werden zu lassen und sie werden deshalb
auch von vielen finanziell aus dem In- und Ausland unterstützt.
14. Schlusswort
Wir haben viel zu tun in Oer- Erkenschwick. Darum müssen wir gemeinsam
eine neue Zeit einläuten. Eine Zeit der Solidarität, eine Zeit der Gemeinsamkeit,
der Freundlichkeit und der Aufmerksamkeit. Wir werden Niemanden ausgrenzen,
damit diese ein Teil unserer Gemeinschaft werden und bleiben und sich nach ihren Möglichkeiten einbringen können.
Die Linke steht für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Für gleiche
Chancen und Möglichkeiten. Lasst uns die Ärmel aufkrempeln und gemeinsam die Herausforderungen meistern.
Wählt am 14. September 2025 Die Linke
und zeigt den anderen Parteien, dass hier eine neue Politik Einzug halten wird und wir gemeinsam
in dieser Stadt etwas verändern wollen, ohne Ausgrenzung, ohne Hass. Wir sind die wirkliche
Alternative, die Niemanden zurücklassen wird.
